Versuchte Anschläge auf das deutsche Stromnetz haben in den vergangenen Wochen die Medien bestimmt. Nur weil sie fehlgeschlagen sind, ist nichts Schlimmes passiert. Ganz anders sah das im vergangenen Winter in Berlin aus, wo tausende Menschen tagelang ohne Strom auskommen mussten. Aus der Sicht erfahrener Katastrophenschützer war allein dieser Vorfall Grund genug, die Menschen daran zu erinnern, sich vorzubereiten. Ein Hinweis, der an Bedeutung zunimmt, meint auch Thorsten von der Fecht, stellvertretender Kreisrotkreuzleiter beim DRK Gelsenkirchen.
Denn viele Menschen wissen gar nicht, was alles ausfällt, wenn der Strom nicht mehr geht. Dass man nicht mehr kochen kann, Wäsche waschen, heizen oder gar das Licht einschalten, ist wohl jedem bewusst. Aber auch des Menschen liebster Begleiter, das Mobiltelefon, ist bald nicht mehr funktionsfähig – selbst wenn der Akku voll ist. „Das Handynetz wird direkt nach einem Stromausfall überlastet sein“, so Thorsten von der Fecht. „Zudem funktioniert es dann nur für eine sehr begrenzte Zeit von etwa 30 Minuten bis zu maximal wenigen Stunden.“ Zwar haben Funkmasten Notbatterien für den Fall eines Stromausfalles. Ewig halten die jedoch auch nicht.
Ohne Strom gibt es kein Internet und somit auch keine internetbasierten Dienste. Das schließt bargeldloses Bezahlen ein. „Um aber etwas kaufen zu können, müssen im Supermarkt die Schiebetüren öffnen. Dies ist ohne Strom schon das erste Problem“, sagt der Katastrophenschützer und erinnert einmal mehr daran, beizeiten Vorräte anzulegen, Lebensmittel und Getränke für mindestens drei Tage. Das erfordert durchaus eine gewisse Logistik: Für nur drei Personen liegt der Wasserbedarf für drei Tage bei 18 Litern. Besser mehr. Denn wenn der Strom ausfällt, fallen einige Stunden später die Pumpen im Wasserwerk aus. Insofern braucht man auch Wasser für die tägliche Hygiene und die Toilettenspülung.
Insbesondere moderne Errungenschaften haben es ohne Strom schwierig: Verkehrsleitsysteme und Ampelanlagen funktionieren nicht, Navigationssysteme bekommen keine aktuellen Daten, das GPS fällt allerdings nicht aus. Und während bei Benzinern ein Notfall-Kanister hilft, gilt beim Elektro-Auto: Wenn es leer ist, ist es leer.
Dies alles zu durchdenken, das ist aus der Sicht von Thorsten von der Fecht wichtig. Denn: „Ein Stromausfall kann jederzeit überall passieren. Es muss ja nicht zwangsläufig eine Sabotage oder Anschlag sein. Es würde ein technischer Fehler oder ähnliches reichen.“ Vorbereitet zu sein, das hilft, ruhig zu bleiben. Ein Tipp vom Profi ist etwa, schon jetzt mit Freunden und Familie einen Treffpunkt und eine Uhrzeit abzusprechen, falls man einander nicht mehr erreichen kann. Ein Beispiel: Am Tag nach dem Stromausfall treffen wir uns zu dieser Zeit an jenem Ort. Oder auch: Wenn der Strom ausfällt, treffen wir uns alle bei Oma.
Gleichzeitig macht es Sinn, jetzt zu schauen, wo im Notfall geeignete Anlaufstellen sind, falls man Hilfe benötigt. Eine Übersicht bietet die Seite: https://www.gelsenkirchen.de/de/soziales/hilfen_in_not/notfall/index.aspx. Ganz wichtig sei es auch, Ruhe zu bewahren: „Von einem Stromausfall allein geht keine Gefahr aus. Machen Sie sich bitte nicht verrückt.“
Thorsten von der Fecht sowie Vertreter aller im Katastrophenschutz eingebundenen Organisation sind persönlich vor Ort beim „Tag der Retter“ am Sonntag, 27. September, auf der Essener Straße in Horst. In der Zeit zwischen 11 und 18 Uhr können Interessierte kommen und sich in Einzelgesprächen informieren.

