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Quartiersarbeit in Schalke-Nord wird ausgebaut

Drei neue Mitarbeitende des DRK Gelsenkirchen verstärken seit Dezember das Team und gehen seither auf die Menschen am Ort zu

Sie drehen nur eine kurze Runde durch das Quartier, die beiden Sozialarbeiterinnen des DRK in Schalke-Nord, Gabriela Banu und Alina Nechepurenko, und schon sind sie mitten in der Arbeit: Im Vorübergehen treffen sie eine Frau, die mit ihrer Tochter an der Hand nach Hause geht. Sie sprechen sie an, laden das Mädchen ein zum niederschwelligen Treff, der immer mittwochs am Nachmittag im Henrys an der Kurt-Schumacher-Straße stattfindet. Die Mutter ist zögerlich, erzählt, die Tochter sei Autistin. „Ich habe gesagt, sie kann natürlich trotzdem kommen. Und die Mama kann auch die ganze Zeit über dabei bleiben. Natürlich wird es etwas schwieriger, aber es kann dennoch gut werden“, erzählt Alina Nechepurenko nach dem Gespräch.

Seit Dezember sind die beiden Frauen sowie eine dritte Fachkraft im Stadtteil unterwegs. Sie wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, sie einladen, die Hilfsangebote anzunehmen, die das DRK Gelsenkirchen ihnen hier macht. „Die erste Frage ist immer: Was kostet das? Denn es gibt viele kostenpflichtige Angebote von anderen Einrichtungen in Schalke. Deswegen haben die Leute Angst, sind vorsichtig. Sie haben einfach kein Geld für so etwas. Sobald wir ihnen aber erklären, unsere Angebote sind kostenlos, sind sie sehr interessiert und offen.“

Erstmals verstärkt eine rumänische Mitarbeiterin das Team

Das Besondere an der neuen Situation im DRK in Schalke: Mit Gabriela Banu hat man erstmals eine Mitarbeiterin gewinnen können, die selbst gebürtig aus Rumänien stammt und etliche Menschen aus der Zielgruppe in ihrer Muttersprache erreichen kann. Das mache viel aus und ändere die Atmosphäre. „Vor ein paar Tagen zum Beispiel haben wir eine Gruppe junger Männer angesprochen. Sie waren im Alter zwischen 18 und 26. Der eine hatte nur Schlappen an – bei diesen Temperaturen. Dem bringe ich morgen erst einmal Schuhe mit“, erzählt Gabriela Banu. „Sie alle haben keine Arbeit, wünschen sich das aber sehr. Sie sind hoch motiviert, haben alle einen Führerschein. Das Problem ist nur: Die Menschen, die aus Rumänien nach Gelsenkirchen kommen, sprechen vielfach kein Wort Deutsch.“

Erste Schritte auf dem Weg in den Arbeitsmarkt kann das DRK Gelsenkirchen nicht nur ebnen, es kann sie auch anbieten, erzählt Michael Mrowietz, Fachbereichsleiter Migration und Integration im DRK Gelsenkirchen. „Morgen zum Beispiel haben wir einen Termin mit fünf Damen, die gern ein Praktikum machen möchten in einem unserer Kindergärten. Und sie alle bringen Vorerfahrungen aus ihrer Heimat mit.“

Eine große Aufgabe: Rund 6.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben hier

Nur ein paar Meter weiter kommen den Sozialarbeiterinnen zwei Frauen auf dem Heimweg vom Einkauf entgegen. Sie beide tragen je einen dicken Bademantel, den sie sich eng um den Körper geschlungen haben gegen die Kälte. Gabriela spricht auch sie an. Sie freuen sich sichtlich über die Kontaktaufnahme in rumänischer Sprache. „Sie möchten gern zu uns kommen“, erzählt sie danach. Auch, dass sie weiß, wie es ist, hier zu leben und die Sprache nicht zu beherrschen. „Ich bin 2011 mit meinem Mann und meiner Tochter nach Gelsenkirchen gekommen – ohne ein Wort Deutsch. Bis 2015 habe ich mich nur in englischer Sprache verständigen können.“ Dann aber sei sie den Spracherwerb angegangen. Erfolgreich. Heute ist die mittlerweile alleinerziehende Mutter beruflich selbstständig und lebt ein selbstbestimmtes Leben.

Ob jene, die eben ihre Begeisterung bekundet haben, wirklich ins Henrys kommen? Die beiden Frauen sind davon überzeugt. „Und wenn nicht, dann sprechen wir sie eben wieder an“, sagt Michael Mrowietz. Im Rahmen des Projektes „Bildungskette Schalke-Nord“ will man die Missstände im Stadtteil sukzessive angehen – im Netzwerk mit etlichen Partnern, sowohl von städtischer Seite als auch von sozialen Trägern. Keine kleine Aufgabe, die man sich da selbst gestellt hat. „Wir kümmern uns hier um rund 6.000 Menschen mit einem Migrationshintergrund. Dazu kommen Senioren, Menschen im Bürgergeldbezug, Kinder.“

Man muss zeigen, das DRK ist für die Menschen da

Dennoch ist er optimistisch, erste Erfolge schon in wenigen Monaten sehen zu können. Gerade gehe es erst einmal darum, zu den Menschen zu gehen. Man müsse sichtbar sein, den Menschen zeigen, das DRK ist für sie da. Immer. Vorbehaltlos. Kostenlos. „Das ist, besonders in diesem Stadtteil, der mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, eine große Aufgabe. Aber wir wissen um unsere Stärken und darum, was wir als DRK in der Vergangenheit schon alles geschafft haben. Daher bin ich mir sicher, wir werden auch hier erfolgreich sein und vielen Menschen helfen können, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu einem Besseren zu wenden.“