So bunt ist die Cranger Straße selten: Unzählige Närrinnen und Narren säumen die Zugstrecke des Rosenmontagszuges. Was dabei nicht fehlen darf sind die Farben des Roten Kreuzes. Einmal mehr nämlich begleitet das DRK Gelsenkirchen die Brauchtumsveranstaltung notfallmedizinisch. Wenn alles gut geht, spüren die Jecken das kaum. Tatsächlich aber steckt dahinter eine Menge guter Planung und Logistik.
Die Einsatzleitung rund um Philipp Kuhrau hat sich schon am frühen Mittag an der Gesamtschule Erle aufgebaut. Bedeutet: Die Zugstrecke können die ehrenamtlich Mitarbeitenden von hier aus nicht einsehen. Ein Blindflug? „Nur in gewisser Weise. Aber anders geht es auch nicht. Ich kann ja nicht an allen Stellen an der Zugstrecke sein“, erklärt Kuhrau und verweist auf eine Karte und einen Bildschirm. Einmal analog und einmal digital sind hier alle Einsatzfahrzeuge vermerkt. Jene verraten über ihre farbliche Kennzeichnung, ob sie im Einsatz sind oder nicht und ebenso, um welches Fahrzeug es sich genau handelt.
„Wir haben 19 Rettungswagen und Krankentransportwagen im Einsatz und dazu drei Motorräder“, erklärt Nils Schulz. Er ist, verrät er, selbst organisierter Jeck und stößt von den Maltesern zur Truppe. Letzteres trifft auch auf Dagmar Man zu, die gemeinsam mit ihm dem Einsatzleiter zuarbeitet. „In analogen Zeiten schob man die Wagen per Hand über die Karte. In der digitalen Version geht es natürlich schneller. Das ist schon eine Erleichterung. Aber wir dokumentieren immer alles auf beide Weisen. Wir sind ja Katastrophenschützer, wir rechnen immer mit dem Schlimmsten.“ Also auch mit einem Stromausfall. Und man müsse ja dennoch weiter arbeiten können.
Keine Unterstützung aus anderen Städten
Die Zusammenarbeit mit der DLRG, den Johannitern und den Maltesern liegt dem DRK Gelsenkirchen nicht nur sehr am Herzen, sie ist an Tagen wie diesen auch unerlässlich. Der Einsatz heute ist vergleichbar groß wie einer in der Arena. Der Unterschied: „In der Arena werden wir von Mitarbeitenden aus anderen DRK-Kreisverbänden unterstützt. Heute werden die in ihren eigenen Städten gebraucht.“ Somit sei man mit rund 60 Personen im Einsatz. Jene übrigens sind nicht nur zuständig für medizinische Notfälle bei den Jecken. Weil alle Zufahrten zur Cranger Straße gesperrt sind, könnten hier, im Falle des Falls, auch keine Einsatzfahrzeuge anrücken. „Wir sind während dieser Stunden auch für die Anwohner zuständig“, erklärt Philipp Kuhrau. Daher müssten die Einsatzkräfte mit allen medizinischen Problemen rechnen, die das normale Leben so mit sich bringt. „Aber wir sind sehr gut aufgestellt mit qualifiziertem Personal – vom Ersthelfer bis zum Facharzt.“
So gut man vorbereitet und aufgestellt ist, am schönsten ist es immer, wenn die DRK Mitarbeitenden selbst nur Zuschauende sind an der Zugstrecke und nicht gebraucht werden. Von kleineren Hilfeleistungen mit Pflastern mal abgesehen. So ist es am heutigen Rosenmontag, gibt Philipp Kuhrau später bekannt. „Es war ein entspannter Einsatz.“ Die Gelsenkirchener Narrenschar feierte fröhlich, gesund und unverletzt.

