Mit solch großem Andrang hatte wirklich keiner gerechnet: Auf Einladung des Netzwerkes Resse findet heute ein Vortrag statt zum Thema Krisenvorsorge. Thorsten von der Fecht und Bastian Hennlich vom DRK Gelsenkirchen sind gekommen, den Menschen das richtige Verhalten im Krisenfall und die Inhalte einer ganz neuen Broschüre zum Thema näherzubringen. Dritter Redner im Bunde ist Matthias Lemke von der Freiwilligen Feuerwehr in Resse. Und während man davon ausging, vor vielleicht zwei Dutzend Gästen zu sprechen, ist das recht große Café im Seniorenzentrum an der Ahornstraße bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr noch: Kurz vor Veranstaltungsbeginn werden sogar die Sitzgelegenheiten knapp.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben, so scheint es, bei vielen Menschen Sorgen hinterlassen. Ganz gleich ob es die Frage war, ob durch den Ukraine-Krieg (oder nun das Kriegsgeschehen im Nahen Osten) die Energie knapp werden könnte, ob der Klimawandel für Extremwetter-Ereignisse sorgt oder ein Anschlag auf das Stromnetz für einen längeren Ausfall, wie zuletzt in Berlin geschehen. Man will, das wird im Saal rasch spürbar, vorbereitet sein. Die Katastrophenschützer des Roten Kreuzes sind darüber froh. Sie engagieren sich dauerhaft in diesem Bereich, beide auch persönlich schon seit vielen Jahren, erlebten jedoch in den glücklichen Friedenszeiten wenig öffentliches Interesse an ihrer Tätigkeit.
Erster Tipp: Eine Notfalltasche packen
Dabei könne ein bisschen Vorsorge schon einen großen Unterschied machen. „Krisen und Katastrophenfälle erreichen uns überraschend und unvorbereitet“, führt Thorsten von der Fecht, stellvertretender Rotkreuzleiter, ins Thema ein. „Aber heute können wir uns informieren und in der Folge vorbereiten.“ Dabei reisen die Gäste zunächst einmal mit Bastian Hennlich gute vierzig Jahre in der Zeit zurück. „Damals gab es jeden Samstag einen Probealarm über die Sirenen – und jeder wusste, was die Töne bedeuten.“ Heute würden neue Sirenen aufgebaut und wieder genutzt. Doch nicht jeder wisse, welcher Ton was bedeute. Zunächst: Es gibt nur zwei. „Ein auf- und abschwellender Ton warnt uns: Schalten sie bitte das Radio ein. Dann ist etwas passiert. Ein durchgehender Ton signalisiert die Entwarnung.“ Ratsam sei es auch, die gängigen Warn-Apps auf dem Smartphone zu installieren.
Passiert tatsächlich etwas und man muss das Haus schnell verlassen, zeigt sich rasch, wer vorbereitet ist und wer nicht. Die Mitarbeiter des DRK raten dringend dazu, eine Notfalltasche zu packen und an einem gut erreichbaren Ort zu platzieren. „Da gehören Pässe rein, EC-Karten, Urkunden oder das Familienbuch, eventuell ein kleiner Vorrat der Medikamente, die man regelmäßig nehmen muss und auch eine Powerbank zum Laden des Handys. Was man darüber hinaus dort hinein packt, das entscheidet jeder für sich“, so Bastian Hennlich.
Das Wichtigste: Trinkwasser im Hause haben
Seite für Seite erklären die beiden, was genau die neue Broschüre die Menschen lehren möchte. Jene ist erst kürzlich vom Land NRW publiziert worden und entwickelt von Mitarbeitenden des Landes sowie der im Katastrophenschutz tätigen Hilfsorganisationen im Land – unter anderem vertreten durch Thorsten von der Fecht. Jener weiß daher auch besonders gut, worauf es ankommt, was man immer im Hause haben sollte und wie man sich vorbereitet. Tipps vom Profi inklusive. „Das Wichtigste ist: Haben sie immer Trinkwasser im Haus. Man sagt, 20 Liter pro Person.“ Zudem natürlich haltbare Lebensmittel. Grundsätzlich gelte: „Jeder Tag, an dem sie sich selbst versorgen können, hilft.“
Dann werden alle möglichen Notfälle behandelt. Zum Beispiel ein schwerer Sturm. „Nehmen sie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes bitte immer ernst – auch wenn die oft daneben liegen. Im besten Fall trifft es uns nicht. Aber das kann man nicht wissen“, führt Bastian Hennlich aus. Im Verlauf geht es um das richtige Verhalten bei Starkregen und Hochwasser, zu Hause und auch unterwegs, sowie im Falle einer Windhose, die keineswegs mehr unmöglich ist in Gelsenkirchen. „So etwas trifft uns mittlerweile auch in Deutschland häufiger. Das sind lokal begrenzte Ereignisse, die jedoch sehr schwerwiegende Folgen haben können.“ Eine Krise, die wir alle in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt haben, und auf die man auch vorbereitet sein sollte, ist eine Zeit extremer Hitze. „Auch das wird immer häufiger“, so Thorsten von der Fecht der appelliert, in diesen und allen anderen Krisenfällen nicht nur für sich selbst zu sorgen. „Gehen sie gern auch auf ältere Nachbarn zu und erinnern sie diese daran, ausreichend zu trinken.“ Wichtig sei es auch, in solchen Momenten mit dem eigenen Arzt zu sprechen. Gleich mehrere Gruppen von Arzneimitteln nämlich müssen bei extremer Hitze in der Dosis angepasst werden.
Tipps gibt es auch von Feuerwehrmann Matthias Lemke
Wie man sich im Falle eines Brandes verhalten sollte, führt Matthias Lemke für die Gäste aus. Er weiß aus eigener Erfahrung: „Bei einem Wohnungsbrand können Temperaturen von 600 bis 1.000 Grad Celsius entstehen.“ Besonders gefährlich: Durch immer mehr Plastik und synthetische Stoffe in der Einrichtung entwickeln sich bei einem Brand giftige Gase. Jene zögen oftmals durch das Treppenhaus und darin nach oben. Der Tipp vom Profi: „Brennt es in ihrer Wohnung nicht, dichten sie die Türe ab und wählen sie den Notruf. Sagen sie den Kollegen, wo genau sie sich befinden und warten sie deren Anweisungen ab.“ Noch ein Fakt zur allgemeinen Beruhigung: „In Gelsenkirchen ist die Feuerwehr nach einem Notruf in maximal acht Minuten bei ihnen.“
An dieser Stelle ergänzt Thorsten von der Fecht, selbst auch als Rettungssanitäter im Einsatz, eine Bitte aus dem eigenen Erfahrungsbereich. „Mir liegt ein Punkt besonders am Herzen: Ordnung macht sich bezahlt! Sie glauben nicht, wie oft wir in ein Objekt kommen, wo die Flure zugestellt sind. Das ist immer ein Problem für Rettungskräfte, dann dort mit einem Patienten hindurch zu kommen. Deswegen meine Bitte: Räumen sie auf!“
17 Notfall-Informationspunkte in Gelsenkirchen
Zum Abschluss bekommen die Anwesenden noch ein paar ganz konkrete Tipps von Matthias Lemke für den Krisenfall. Er erklärt, wo man, wenn nichts mehr geht, Hilfe bekommt. So habe die Stadt Gelsenkirchen 17 Notfall-Informationspunkte festgelegt. „An diesen erhalten sie Informationen zur aktuellen Lage und können bei Bedarf einen Notruf absetzen.“ Je nach Krisenlage nämlich könnten Handys recht schnell ausfallen. Zudem gibt es sechs Notfall-Informationspunkte Plus. Hier gibt es eine medizinische Notfallversorgung, Trinkwasser, eine Notration an Lebensmitteln, eine psychosoziale Betreuung und Wärmeräume. „Die sind kein Luxus-Hotel, aber im Zweifel besser als nichts.“ Erreichen könne man diese Punkte übrigens über ein Busliniennetz für den Notfall. Stündlich führen dann fünf Linien durch das Stadtgebiet.
Wichtige Informationen, die die zahlreichen Gäste in knapp zwei Stunden komprimiert und doch auch locker erhalten. Vielleicht am wichtigsten jedoch ist: Am Ende geht man mit ein, zwei Scherzen und einem Lachen auseinander. Denn den Katastrophenschützern geht es darum, Menschen vorzubereiten, sie zu befähigen, sich selbst zu helfen und keineswegs darum, Angst zu schüren. Die Botschaft ist klar: Wer vorbereitet ist, hilft sich und den Helfenden. Jene nämlich können sich dann denen widmen, die in vielleicht lebensbedrohlichen Lagen sind und die es zu retten gilt.
Detaillierte Informationen bietet die Seite https://www.gelsenkirchen.de/de/soziales/hilfen_in_not/Notfall/. Die Broschüre des Landes zur Krisenvorsorge finden Interessierte unter http://selbstschutztipps.drk-ge.de/.


