Vor dem Schalker Gymnasium steht ein Kleinbus des DRK Gelsenkirchen. Das sieht man weithin. Aus allen vier Himmelsrichtungen. Und genau so soll es sein. „So fallen wir auf“, sagt Michael Mrowietz, Teamleiter für Migration und Integration beim Roten Kreuz. Zum zweiten Mal ist er mit seinen Mitarbeitenden hier in Schalke Ost vor Ort, zeigt Präsenz und berät Ratsuchende in einem improvisierten aber gut durchdachten Büro im Inneren des Fahrzeugs. Dieses neue Konzept soll dort Anwendung finden, wo das DRK Gelsenkirchen zuständig, jedoch nicht mit einem eigenen Büro ausgestattet ist. „Auf diese Weise können wir weitaus mehr Standorte abdecken und für die Menschen da sein.“
Der heutige Einsatz ist, trotz sehr durchwachsenen Wetters, gut verlaufen. Vier Stunden waren vier Mitarbeitende ansprechbar für die Menschen. Migrationsberater Malek Khaled hatte in dieser Zeit sechs Beratungsgespräche im Auto, Alina Nechepurenko lief derweil mit Praktikant Lukas Falk mehrere Runden durch das Quartier und sprach die Einwohnerinnen und Einwohner an, denen sie auf der Straße begegnete. Mit Erfolg. „Die Menschen kennen unsere Gesichter mehr und mehr“, freut sich die ambitionierte Mitarbeitende sichtlich am Ende des Einsatzes in Schalke Ost. „Wir haben Flyer verteilt und auf unsere Angebote aufmerksam gemacht, von unseren kostenlosen Beratungsangeboten erzählt.“ Dafür seien die Leute vielfach sehr dankbar, erzählt sie und hofft, dass künftig der eine oder andere auch den Weg findet in den Quartiersladen des DRK Gelsenkirchen in Schalke Nord.
Jeden zweiten Donnerstag vor Ort
Die Probleme, mit denen die Ratsuchenden heute zum Bus gekommen seien, hätten meist etwas mit den Behörden zu tun gehabt, erzählt Malek Khaled. „Fast alle waren arabischsprachig“, verrät er noch, dass seine Unterstützung hier besonders willkommen gewesen sei. Denn er habe den Betroffenen in ihrer Muttersprache helfen können. Aber man habe auch Anfragen zu anderen Themen aufgenommen und an die zuständigen Fachbereiche weitergeleitet. „Da ging es sogar einmal um die Möglichkeit zur Blutspende“, erzählt Michael Mrowietz. „Es spricht sich einfach herum, dass wir jetzt an jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat hier vor Ort sind und verlässlich Hilfe anbieten.
Ein Vorteil: Der Bus kann mit nur ein paar Handgriffen zu einem richtigen kleinen Büro umgebaut werden. Ein Schreibtisch erlaubt das professionelle Arbeiten, drei Stühle bieten einen Sitzplatz für zwei Menschen und den jeweiligen Berater. Eine große Powerbank macht das Arbeiten am PC längerfristig möglich. „Und demnächst bekommen wir noch einen Drucker dazu“, erzählt Michael Mrowietz, dass man dann hier ebenso viel anbieten können wie im Henrys auf der anderen Seite der Berliner Brücke.
Konzept zunächst für Schalke Ost und Heßler
Dort, in Schalke Nord, ist das DRK Gelsenkirchen schon seit Jahren erfolgreich aktiv und nah dran an den Menschen. Zuständig sei man auch seit jeher für Menschen aus Schalke Ost. Nur hätten die sich bislang auf den Weg entlang der Kurt-Schumacher-Straße machen müssen, erklären die Mitarbeitenden. Nun kommen sie den Ratsuchenden entgegen – und das auch im übertragenen Sinne. „Wir möchten Hemmschwellen abbauen“, sagt Michael Mrowietz und verspricht sich viel vom neuen Konzept, das bei ganz vielen Formaten Anwendung finden kann. So soll es zunächst vor allem in Schalke Ost und in Heßler zum Einsatz kommen, wo das DRK keine feste Anlaufstelle bieten kann.
Es soll künftig zudem den Radius rund um die existierenden Büroräume erweitern. So gibt es in Bülse das Dunants. Ab und an könne man jedoch auch in Scholven eine mobile Sprechstunde anbieten. Dritte Möglichkeit: Mittelfristig könne man das Konzept auch in Quartiersfeste einbetten. Wenn etwa irgendwo ein kleines Sommerfest stattfindet, warum solle man dort nicht vor Ort sein, um die Gäste zu beraten? Mit den Menschen, für die Menschen, und das immer mit viel Herz und Tatkraft, so funktioniert die Arbeit im Fachbereich Integration und Migration nicht nur in den Einrichtungen des DRK Gelsenkirchen, so wird sie mit den Mitarbeitenden auch „auf der Straße“ gelebt. „Damit wir in Zukunft noch mehr Hilfe leisten können.“
