Mit seinen kleinen Fingerchen muss sich Henri ordentlich bemühen, die Verpackung um das bunte Pflaster zu entfernen. Danach will er korrekt die Schutzstreifen entfernen. Gar nicht so einfach. Deswegen ist es gut, dass er das heute lernt und mehrfach üben kann. Denn der kleine Mann wird, gemeinsam mit vier anderen Kindern aus der DRK-Kita Waldscheune, gerade ausgebildet zur „Pflaster-Patrouille“. Bedeutet: Wenn er den Grundkursus in einigen Wochen absolviert hat, weiß er schon ganz gut, was er tun kann und sollte, wenn sich jemand verletzt.
Heute findet der erste Kurstag statt. Die DRK-Mitarbeitenden Irem Kaya und Michael Mrowietz sind gut vorbereitet. Aber ist es auch für die beiden das erste Mal. „Das ist das Pilotprojekt“, erklärt er. Die „Pflaster-Patrouille“ sei das zentrale Programm zur Profilschärfung der DRK-Kitas, initiiert durch die Bündnispartner der Kinderschutzallianz, zu welcher das Rote Kreuz gehört. „Es verbindet die Kernkompetenzen des Roten Kreuzes, Helfen, Schutz und Gemeinschaft, mit moderner frühkindlicher Pädagogik.“ Im ersten Schritt stehen für die Kleinen fünf Lehrstunden, sogenannte Missionen, an. Die heutige steht unter der Überschrift: Einsatz bei einem kleinen Aua.
Ganz wichtig: das Trösten
Eben hat Irem Kaya den Kindern bereits erklärt, was sie eigenständig tun können, wenn sich der Freund oder Freundin verletzt, eine Schramme zuzieht oder auch eine kleine Wunde. Die erste Regel sei hier, sich die Wunde einmal in Ruhe anzusehen und, ganz wichtig, zu trösten. „Man kann ganz liebe Worte sagen. Das hilft schon sehr.“ Danach sollte das kleine Aua mit einem Pflaster versorgt werden. Genau das lernen die Kleinen gerade.
Dafür hat Irem Kaya eine Kiste mit tollen Pflastern mitgebracht. Es gibt welche mit Bildern von Hunden oder auch Katzen, es gibt welche mit aufgedruckten Eulen oder Einhörnern, mit Prinzessinnen oder Piraten. Da dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Mit viel Freude wählen die fünf angehenden Helferinnen und Helfer ihr Lieblingsmotiv aus. Dann folgt wieder ein praxisnahes Erklärstück: „Das Pflaster hat ein Bett. Das ist für die Wunde da und soll das Aua abdecken. Das darf man nicht anfassen.“
Es wird also noch etwas schwieriger für Henri. Trotzdem hat er nach ein paar geklebten Pflastern den Dreh raus. Es dauert nur ein paar Minuten, da sind die Hände aller im Raum beklebt – oftmals auch mit mehreren Pflastern. Weil das so lustig aussieht, gibt es schnell ein Foto von den bunt verzierten Händen. Geschafft! Die erste Mission haben die kleinen Helfer-Helden gut gemeistert. Deswegen bekommen sie jetzt ihre Ausweise ausgehändigt, die später nachweisen, dass sie alle Missionen mitgemacht haben. Ein toller und kindgerechter Einstieg in die Erste Hilfe.
In der nächsten Mission kommt Tröste-Pferd Milli dazu
In den nächsten Kurseinheiten lernen die Teilnehmenden zunächst den Verbandskasten kennen – und Milli. Das kleine Pony ist ganz neu im Team des DRK Gelsenkirchen. „Das ist unser Tröste-Pferd“, erklärt Michael Mrowietz, dass ein solches Kuscheltier in jeden kindgerechten Erste-Hilfe-Kasten in einer DRK-Kita gelegt wird. Verletzt sich ein Kind, kommt Milli zum Einsatz. Sie tröstet und gibt Halt. Weitere Kurseinheiten behandeln später das Verhalten bei großer Gefahr, lehren, einen Notruf abzusetzen und sensibilisieren die Kinder weiter für das Konzept der Kinderschutzinseln.
Und danach? „Nach den Experten-Wochen geht die Patrouille in die Verantwortung der Erzieherinnen und Erzieher über. Durch regelmäßige Patrouillen-Treffen in den Gruppen bleibt das Wissen lebendig“, erläutert Michael Mrowietz. Verena Hecker-Veen. die Leiterin der Kita Waldscheune, will das Projekt sogar noch ausweiten. „Je öfter ein Kind dieses Wissen anwendet, desto eigenverantwortlicher kann es im Notfall handeln“, erklärt sie den lebensnahen pädagogischen Nutzen. „Unsere Idee ist es, die Pflaster-Patrouille fortan für künftige Schulkinder als festes Programm zu etablieren. Wir wollen daraus ein rundes Konzept machen und dies weiter ausbauen. Bedeutet, wir möchten auch die Polizei und die Feuerwehr miteinbeziehen. Damit unsere Kinder alle Stellen kennen, die in Notfall Hilfe leisten.“ Ein Engagement, das für sie ganz selbstverständlich ist. „Gerade weil wir das DRK sind wünsche ich mir, dass unsere Kinder wahrnehmen, wo jemand Hilfe benötigt und sich dann auch kümmern, demjenigen beistehen und Mitgefühl zeigen für andere.“
