Es ist ein Meilenstein in der noch jungen Geschichte der Kinderschutzinseln in Gelsenkirchen: Erstmals gibt es nicht nur gekennzeichnete Orte, die Kinder aufsuchen können, die sich in Gefahr befinden. Nun fahren die Kinderschutzinseln auch durch die Stadt – von Haltestelle zu Haltestelle. Das DRK Gelsenkirchen konnte den Busunternehmer Ulrich Nickel für das Konzept der Kinderschutzinseln gewinnen. Rund vierzig seiner Busse fahren somit künftig als mobile Anlaufstellen für Kinder durch die Stadt.
„Das ist großartig – und ein Pilotprojekt“, freut sich Michael Mrowietz, der Projektleiter beim DRK Gelsenkirchen. „Sie sind ein Vorreiter für ganz Deutschland“, dankt auch Michaela Schneider, Geschäftsführerin der Kinderschutzallianz und angestellt beim Innenministerium in Niedersachsen, wo das Projekt seinen Ursprung hat, dem engagierten Erler Unternehmer. Mit seinen Bussen steigt die Zahl der Kinderschutzinseln in Gelsenkirchen auf über 250 – eine echte Erfolgsgeschichte, die erst vor rund zwei Jahren begann. „Durch den Input aus Gelsenkirchen explodiert dieses Projekt plötzlich“, so Schneider.
Die Busfahrer sind vom Konzept begeistert
„Es ist erschreckend, wie stark die Gewalt in unserer Gesellschaft zugenommen hat. Deswegen müssen wir jede Chance ergreifen, diese sicherer zu machen, insbesondere für die Schwächsten. Und das sind nun einmal die Kinder“, beschreibt Ulrich Nickel, warum er sofort einwilligte, seine Fahrzeugflotte zu Anlaufstellen für junge Menschen in einer Gefahrensituation zu machen. Demnächst, erzählt er, folgen noch 38 Busse seiner Firma „Wessel“, die den Linienverkehr in Recklinghausen unterstützen.
Bevor die Aufkleber in kindgerechter Höhe auf die Einstiegstüren der Busse geklebt wurden, besuchten Michael Mrowietz und Denis Wieser, beide im Einsatz für die Kinderschutzallianz, das Unternehmen mehrfach und erklärten den Fahrern, worum es geht und wie sie sich künftig richtig verhalten sollten. „Die sind alle absolut begeistert“, weiß Chef Ulrich Nickel. Und auch warum: „Wir haben viele Fahrer mit Migrationshintergrund, die selbst eine große Familie haben und sich auf besondere Weise emotional angesprochen fühlen.“
Parallel lernen Kinder, Gefahrenlagen zu erkennen
So wie Hussein Ibrahim. „Das ist sehr gut. Wir alle müssen Kinder schützen. Das liegt uns sehr am Herzen“, so der Busfahrer. Ähnlich sieht es auch sein Kollege Michael Ressel. „Das ist auf jeden Fall eine super Aktion.“ Ob sich seine Wahrnehmung durch die Schulung verändert hat? „Ich war schon immer jemand, der genauer hinschaut und nicht die Augen verschließt.“ Was sich mit dem Aufkleber jedoch ändern könnte ist, dass ihn nun Kinder auch aktiv ansprechen.
Parallel zur Einrichtung zahlreicher Kinderschutzinseln nämlich schult das DRK Gelsenkirchen aktuell junge Menschen in ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen von der Kita über die Grundschule bis hin zur weiterführenden Schule und erklärt, was eine Kinderschutzinsel ist, wie man überhaupt Gefahren einschätzen kann und wie man sich im Falle des Falls richtig verhält.
Auch Basko besuchte den Betriebshof von Nickel
Als kleines Dankeschön für so viel Einsatz für den Kinderschutz gab es für die Mitarbeitenden des Busunternehmens Nickel zum Kleben der letzten Plaketten noch eine große Überraschung: Auch Basko, der einstigen Polizeihund, der aus Gelsenkirchen heraus zum Symbol und Maskottchen für den bundesweiten Kinderschutz werden soll, kam zu Besuch zum Betriebshof an der Weststraße. Und weil der nicht nur die Herzen kleiner Menschen höher schlagen lässt, nahm sich das überlebensgroße Plüsch-Wesen ganz viel Zeit für Erinnerungsfotos mit der Belegschaft.



