„Ich brenne richtig für dieses Format!“ Dominik Meyer strahlt, als er das sagt. Seit zwei Monaten betreut er den „Spieletreff“ des DRK im Quartierstreff „Dunants“ in Bülse. In dieser kurzen Zeit hat sich das Format beeindruckend etabliert: Kommen zur ersten Ausgabe im Mai noch ganze drei Gäste, sind es heute zwanzig. „Das ist das Maximum. Und erstmals gibt es sogar eine Warteliste.“ Bedeutet: Es haben deutlich mehr Menschen Interesse am Spielen in der Gemeinschaft, als die Räumlichkeiten Plätze bieten.
„Das ist eine Veranstaltung von mehreren, die wir hier an der Bülsestraße anbieten, weil es sonst so wenig Angebote für die Menschen vor Ort gibt“, erklärt Michael Mrowietz, Fachbereichsleiter beim DRK. „Gleichzeitig reagieren wir damit auch darauf, dass wir immer wieder von Vereinsamung hören. In unseren Stadtteiltreffs bietet es sich an, auch über die eigentlichen Öffnungszeiten hinaus Angebote zu schaffen und zu verstetigen.“ Der Spieletreff ist angestoßen worden aus dem Bereich der hauptamtlichen Kräfte des Roten Kreuzes in Gelsenkirchen und wird nun übergeben in die Hände ehrenamtlicher Kräfte. „Für sie, die oftmals aus anderen Ländern kommen, ist das eine gute Möglichkeit, sich zu integrieren. Spracherwerb funktioniert hier spielerisch und in lockerer Atmosphäre. Gleichzeitig können sich die Ehrenamtlichen einbringen in die Gesellschaft, Kontakte knüpfen und vielleicht sogar Freundschaften“, so Michael Mrowietz.
Die Menschen verknüpfen sich schnell und zwanglos
Das Schöne an diesem Format ist, es ist recht einfach zu realisieren ohne das großen Kostenaufwand. „Jeder bringt etwas zu Essen mit. Dadurch haben wir manchmal ein sehr internationales kleines Buffet“, erzählt Dominik Meyer, dass man meistens auch zusammen grillt. „Was ich besonders toll finde ist, zu beobachten, wie sich die Menschen von selbst und ganz zwanglos verknüpfen. Das Kennenlernen geschieht hier auf sehr schnelle Art und Weise – und das in alle Richtungen inklusiv.“ Die Nationalität spiele ebenso keine Rolle wie das Alter, erzählt er, dass die jüngste Teilnehmende aktuell 21 Jahre alt ist und der älteste Spieler 57. Das mache einen besonderen Reiz aus. Und der spreche sich herum in den sozialen Medien. „Die Leute empfehlen uns weiter. Dadurch kommen nicht nur Menschen aus Bülse, Scholven und der gesamten Stadt Gelsenkirchen her. Wir hatten auch schon Leute dabei aus Witten, Münster, Düsseldorf, Herten, Recklinghausen, Dorsten und Essen.“
Kurzum: Es läuft. Das freut auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Jevgenia und Natalja, die die Leitung des Spieletreffs ab der nächsten Ausgabe übernehmen. „Ich bin schon ein bisschen nervös“, gesteht letztere, dass sie durchaus Respekt hat vor dieser Aufgabe. Aber eben auch Lust darauf. Sie spiele gern selbst Gesellschaftsspiele. Noch wichtiger aber sei ihr die Kommunikation auf Deutsch. „Das geht hier ohne Zwang. Und die anderen Gäste haben viel Geduld und Verständnis.“ Bisher, sagt sie, habe sie noch nicht eine einzige Ausgabe des Treffs verpasst. Mehr noch: Sie bringt sich alle zwei Wochen auf besonders schmackhafte Weise ein, verraten die anderen, die allesamt von Nataljas ukrainischen Kuchenspezialitäten schwärmen.
Das Interesse aller am Spielen verbindet
Auch Claudia ist mittlerweile Stammgast. „Ich bin zum fünften Mal dabei“, erzählt die Gelsenkirchenerin, dass sie Gesellschaftsspiele liebt. „Das Angebot habe ich durch Zufall gefunden“, schildert sie, wie sie dazu gekommen ist. Denn regelmäßig wird es publiziert über die Plattform „Spontacts“, über welche man Freizeitangebote finden und neue Leute kennenlernen kann. Das funktioniere auch hier in Bülse gut, findet Claudia. „Dadurch, dass man dasselbe Interesse hat, kommt man schnell ins Gespräch.“ Nach ein paar gemeinsamen Treffen kenne man einander, habe bereits mehrere Spiele zusammen gespielt. „Die Gruppe bietet eine sehr bunte Mischung, was das Alter betrifft. Da macht das Spielen besonders viel Spaß.“
Apropos: Gespielt wird, was immer man will. Sogar Schach. Etliche Brettspiele hat das DRK ohnehin im Stadtteiltreff vorrätig – allem voran natürlich Monopoly in der DRK-Edition. Darüber hinaus können Gäste ihr Lieblingsspiel mitbringen. Das tun sie auch. Bislang übrigens, erzählt Dominik Meyer noch, werde stets analog gespielt. „Und das ist toll! Digital hat ja jeder zu Hause und das ist immer verfügbar.“
Der Spieletreff im „Dunants“ an der Bülsestraße 76 findet immer am zweiten und vierten Samstag im Monat ab 18 Uhr statt. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos.
