Die großen Ferien schön zu gestalten, mit anderen zu spielen oder Ausflüge zu machen, das ist für manch ein Kind und seine Familie gar nicht so einfach. Insbesondere, wenn das Geld knapp ist und das eigene Quartier wenig Möglichkeiten bereit hält. Das DRK Gelsenkirchen bietet deswegen seit Jahren in Schalke-Nord ein wochentägliches Ferienprogramm an und das, anders als andere Akteure, über die ganzen sechs Wochen und kostenlos.
Jeden Vormittag wird gemeinsam gespielt und gelernt. Denn die Bildung ist ein wichtiger Aspekt in der Arbeit des Roten Kreuzes mit Kindern und Jugendlichen. Sie folgt einem besonderen Konzept, erläutert Fachbereichsleiter Michael Mrowietz, der jenes auch entwickelt hat: „Es ist gut und wichtig, die jungen Menschen dauerhaft zu begleiten. Das tun wir nach Möglichkeit. Unser Ansatz ist es dabei, sie in ihrer Lebenswelt abzuholen und ihnen Erlebnisse zu ermöglichen. Wir geben ihnen die Gelegenheit das zu tun, was sie gerne tun und erhöhen damit ihre Bereitschaft, Wissen aufzunehmen.“ Jenes werde in kleinen Abschnitten vermittelt, immer unterbrochen durch spielerische Erlebnisse, um die Kinder nicht zu überfordern.
Erst gemeinsam lesen, dann Fußball spielen
Was das praktisch bedeutet, das ist hier und heute im „Henrys“ zu beobachten. Beim Eintreten spielen zwei Jungs gebannt und engagiert ein Computerspiel am großen Bildschirm, während die kleineren Kinder zuschauen. Für ein paar Minuten haben sie alle Freiheiten, bevor es dann daran geht, gemeinsam ein Buch zu lesen. Dabei müssen sich die Teilnehmenden auch selbst einbringen, sollen, soweit sie das schon können, kurze Passagen laut vorlesen. „Das Buch handelt von Zabu, einem jungen Schwertwal. Seine Mutter hat ihn verlassen“, erzählt der elfjährige Khaled, der regelmäßig an den Angeboten des DRK teilnimmt. Es ist dem jungen Mann durchaus anzusehen, dass das Lesen nicht ganz oben auf der Liste seiner liebsten Tätigkeiten steht. Weil der Einsatz jedoch anschließend belohnt wird und er das ganz genau weiß, bringt er sich dennoch ein. Am liebsten, verrät der elfjährige Hamudi dann noch, spielen die Jungs Fußball.
Das dürfen sie jetzt auch. Gemeinsam mit Betreuerin Lisa Makarova und dem voll gepackten Ferienrucksack mit Getränken und gesunden Snacks sowie einer Erste-Hilfe-Tasche für kleinere Blessuren gehen sie nach draußen. Sie müssen nur einmal über die Straße, dann bietet das neu gestaltete Areal vor der Glückauf-Kampfbahn ihnen alle Möglichkeiten, sich zu bewegen und Energie abzubauen. Lisa ist schon länger beim Roten Kreuz engagiert, bringt sich gern in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein. Weil sie das auch bereits in ihrer ukrainischen Heimat getan hat. Dort war sie als semi-professionelle Tänzerin und Tanzlehrerin aktiv. Daher überrascht sie jetzt ein bisschen, als sie begeistert erzählt: „Ich spiele auch gern mit den Jungs Fußball.“
Zwei Ausflüge machen besondere Erlebnisse möglich
Die besonderen Höhepunkte für die Kleinen stehen ihnen noch bevor. In der dritten und in der fünften Ferienwoche stehen zwei Ausflüge auf dem Programm. Einmal, verrät Michael Mrowietz, geht es in die „Movie World“, die andere Tour führt zur „Zoom Erlebniswelt“. Beide Ausflüge finden mit einer noch größeren Gruppe von Kindern aus dem Quartier statt. Der kleinen Räumlichkeiten wegen ist das Tagesprogramm auf zehn Teilnehmende beschränkt. Zu den Touren kann man bis zu 25 Kinder mitnehmen. Die Erfahrung hat gezeigt: Umso mehr kommen, desto schöner, aufregender und besonderer sind diese Tage für die jungen Menschen, die vielfach nur selten das eigene Quartier verlassen.
